Archive for the 'Aufreger der Woche' Category

Wer kann pflegen?

Herr Pfleger

bringt mich zum nachdenken. Momentan noch ziemlich wirre Gedanken, aber solche, die vielleicht auch euch zum nachdenken bringen.

Das Pflegepersonal der Charité streikt. Die Politik überlegt sich Harz 4 Empfänger in der Pflege einzusetzen. Die Zivi’s gehen aus. Der Markt für Pflegekräfte wird nach Osteuropa geöffnet. Der Pflegenotstand ist angekommen. Und zwar endgültig. Und Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil. Immer mehr alte Menschen, die von immer weniger jungen Menschen immer länger gepflegt werden müssen. Da kommt natürlich die Frage auf „Wer soll das machen?“ „Wer soll das bezahlen?“

Da stelle ich mir die Frage: Wer kann eigentlich pflegen?

Prinzipiell würde ich sagen : Jeder. Aber es gibt Pflege und es gibt Pflege.

Es gibt in Deutschland eine große Zahl pflegende Angehörige, vor denen ich einen heiden Respekt habe, die ihre Sache sehr sehr gut machen. Die sich kümmern, informieren, Kurse belegen. Bei denen sich der Patient mit Sicherheit besser aufgehoben fühlt , als bei einer fremden Fachkraft. Aber es gibt genauso pflegende Angehörige , die ihre Sache sehr sehr schlecht machen. Ich habe selbst schon den ein oder anderen Patienten betreut , der zu Hause gepflegt wurde. Oder besser gesagt, von dem behauptet wurde er würde gepflegt.

Pflege ist mehr als „satt und sauber“.

Pflegen heißt den Patienten bei allem zu unterstützen was dieser nicht mehr selbst kann. Natürlich sind Körperpflege und Ernährung die wichtigsten Punkte. Aber auch seelische Probleme gibt es. Ängste, Sorgen. Dann gilt es Krankheiten rechtzeitig zu erkennen, präventiv zu arbeiten. Und vieles mehr.

Ich weiß das wir im Krankenhaus das auch alles andere als perfekt machen. Aber es gibt einen Unterschied ob eine Pflegekraft die ihren Beruf 3 Jahre erlernt hat , dann jeden Tag auf Station Erfahrungen sammelt und sich über die Jahre kontinuierlich weiterbildet einen Patienten pflegt, oder ob jemand der keinen anderen Job mehr findet (aus welchen Gründen auch immer) „zwangsverpflichtet“ wird einen Patienten zu pflegen.

Natürlich kann prinzipiell jeder pflegen lernen, anders hat es keiner von uns gemacht. Aber pflegen lernen kann man auf unterschiedlichem Niveau. Und wenn es so weiter geht wie bisher sehe ich ziemlich schwarz.

Wenn ich alt bin und pflegebefürftig sein sollte, wer soll mich dann pflegen? Möchte ich das mich irgendjemand pflegt, der nichts anderes gefunden hat? Möchte ich das jede Tätigkeit von einer anderen Hilfskraft verrichtet wird? Möchte ich das mich überarbeitete, gestresste, unterbezahlte Menschen pflegen? Nein.

Wenn ich alt bin und pflegebedürftig sein sollte möchte ich von jemandem gepflegt werden der den Beruf mit Freude ausübt. Der für seine harte Arbeit gut bezahlt wird. Der unter guten Arbeitsbedingungen arbeitet.

Ich bin vom Stellenwert der Pflege in unserem Land schwer enttäuscht. Und die Enttäuschung wird jeden Tag größer. Und auch wütend bin ich mehr und mehr. Wütend, das mein Berufsstand also so überflüssig angesehen wird. Wenn jeder pflegen kann, wozu braucht es dann professionelle Pflegekräfte? Wozu habe ich 3 Jahre einen Beruf erlernt und jahrelang Berufserfahrung gesammel, mich weiter gebildet um dann zu hören das Pflege jeder kann? Moment, habe ich nicht eben gesagt“ prinzipiell kann jeder pflegen“? Ja, habe ich. Aber die Frage ist eben wie.

Teamfähigkeit

wird in der Gesundheitsbranche groß geschrieben. In jeder Stellenanzeige ist es eine der Hauptanforderungen an Bewerber.

Manch einem bleibt sie aber mit den Jahren auf der Strecke…

20 Uhr. Meine Kollegen sind beim Abendrundgang ich habe mich im Dienstzimmer verschanzt weil ich gerade einen Patienten von der Intensiv übernommen habe und die Unterlagen fertig mache.

Eine meiner Kolleginnen hat nur Dienst bis 20 Uhr und verabschiedet sich. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß ist das die 2. Kollegin noch einige Zimmer auf dem Abendrundgang vor sich hat. Und im Dienstzimmer herrscht noch das reine Chaos weil ich den halben Nachmittag damit beschäftigt war Patienten zwischen der Intensiv und unsere Station hin und her zu karren. Mit dem ausarbeiten der Visite bin ich so gegen 18.30 Uhr fertig geworden.

Ich sitze also gegen 20 Uhr in einem Berg von Akten im herrlichsten Chaos im Dienstzimmer als die Nachtwache auf Station kommt. Ihr Wagen für den Durchgang ist noch nicht gepackt, da meine Kollegin damit noch die Abendrunde macht. Infusionen sind nicht vorbereitet und alles in allem wie bereits gesagt, Chaos.

Dazu ein Patient mit chronischem Alkoholabusus den ich seit geraumer Zeit immer wieder vom Balkon holen muss weil er dort verbotener Weise raucht. Dann flitzt noch eine Patientin über den Flur die ich nicht einordenen kann , welche aber einen nicht wirklich orientierten Eindruck macht. Also alles liegen lassen und erstmal die Patientin einfangen. Aha. Doch eine Patientin von uns. Also ins Zimmer mit der guten Frau.

Während ich weiter meine Kurven bearbeite bereitet die Nachtwache sich , schon sichtlich genervt ihren Wagen für den Durchgang vor. Meine 2. Kollegin ist mit ihrer Runde fertig und treibt sich wer weiß wo herum. Zu den Klingeln geht sie jedenfalls nicht. Das erledigen die Nachtwache und ich zwischendurch. Um 5 Minuten vor halb neun Beginne ich endlich mit der Übergabe an die Nachtwache. Als meine Kollegin plötzlich in der Tür steht und meint : “ Ich kann doch jetzt gehen , oder soll ich noch Klingeln ablaufen?“  Große Augen bei mir und der Nachtwache. Ähm ja bitte , Klingeln ablaufen wäre super, denn sonst dauert die Übergabe vermutlich ne Stunde.

Um Viertel vor Neun bin ich mit der Übergabe fertig. Die Kollegin verschwindetr eilig in den Feierabend. Ich setze mich ins Dienstzimmer und mache meine Arbeit zu Ende.

Ich habe ja nichts gegen Überstunden. Aber in diesem Fall wäre ein Großteil davon vermeidbar gewesen wenn eine Kollegin vielleicht 10 Minuten länger geblieben wäre.

Vielleicht kommt es mir nur so vor, aber ich habe immer mehr das Gefühl das viele Kollegen wenn der Feierabend naht denken… Nach mir die Sintflut. Die nächste Schicht wird’s schon richten…

Mit Teamfähigkeit hat das nicht wirklich was zu tun.

Fast Food Unkultur

Der Chefarzt berichtete über ein vorgeschlagenes Fast Food Verbot für Jugendliche unter 16. Die große Frage die sich stellt ist… bringt das was? Und was können wir tun um dem zunehmenden Fast Food Wahn und dem daraus oft resultierenden Übergewicht unsere Kinder entgegenzuwirken?

Ich denke ein Fast Food Verbot ist keine Lösung. Es gibt ein Alkohol- und ein Tabakverbot für Jugendliche unter 18. Mit der Konsequenz das die Opfer von Alkoholexzessen trotzdem immer jünger werden. Und Rauchen finden sich längst nicht mehr nur im Alter von 15 und 16 aufwärts.

Einzige Lösung , wenn überhaupt , wäre konsequentes mit gutem Beispiel vorangehen durch die Eltern. Aber wer tut das heute schon? Es gibt immer mehr Fertigprodukte in Dosen, im Kühlregal, im Tiefkühler. Imbissbuden aus allen Ländern an fast jeder Ecke. Wer will, und das nötige Kleingeld hat, kann einen kompletten Monat warm essen ohne nur einen Topf schmutzig zu machen. Die Zeit als es nur 5 Minuten Terrinen und Ravioli aus der Dose als Fertignahrung gab sind vorbei. Wenn ich mich in meiner Altersklasse so umhöre sind erschreckend viele dabei die nicht in der Lage sind Spaghetti mit Tomatensauce ohne Instantprodukte zu kochen. Wie soll ein Kind lernen wie es sich gesund ernähren kann wenn die Eltern nicht in der Lage sind eine Kartoffel von einer Karotte zu unterscheiden?

Kochshows im TV sind der große Renner zur Zeit. Aber wie bei sovielem lassen wir uns lieber berieseln als selbst etwas zu tun. Wir schauen also gerne zu wie Herr Biolek, Herr Mälzer und Co. ein aus ausgesuchten (Bio)Zutaten hergestelltes gesundes, abwechslungsreiches und lecker anzuschauendes Menü kochen , dabei essen wir aber die Tiefkühlpizza von Ristorante. Selbst etwas kochen hätten wir vor beginn der Sendung doch auch nicht mehr geschafft…

Manche Menschen

möchte man einfach mal mit dem Kopf vor die Wand schubsen.

Natürlich rein gedanklich. Heute morgen lies es sich für Twitterfollower schon erahnen, die Kranke Schwester war ordentlich sauer. Auf wen? Auf den Diensthabenden der letzten Nacht.

Folgendes Szenario:

Ein netter älterer Herr mitte 80, wollte am Pfingstwochenende eine Veranstaltung aufsuchen. Auf dem Weg dorthin wurde er bewusstlos, stürzte und landete mit V.a. Synkope, Z.n. Sturz und Kopfplatzwunde bei uns. Der nette Mann hatte über Pfingsten noch zeitweilig ein wenig Schwindel, versorgte sich aber selbst und war vollständig orientiert.

Soweit zur Vorgeschichte. Heute in den frühen Morgenstunden stand jener Patient schimpfend wie ein Rohrspatz in meinem Dienstzimmer. Was wir denn wollten, wir könnten ihn nicht einfach so festhalten. Ausserdem habe jemand seine Sachen gestohlen, er werde die Polizei rufen etc….

Der Patient war in keiner Weise orientiert. Lies sich auch durch zureden kaum beruhigen. Also brachte ich ihn in sein Zimmer, wo er auf übelste seine Mitpatienten beschimpte , des Diebstahls bezichtigte usw.

Ich konnte ihn überreden sich hinzulegen und zückte dann das Telefon um den diensthabenden Arzt zu verständigen. Ich schilderte die Situation , aktueller Zustand, Vorgeschichte, die tatsache das der Patient bisher völlig orientiert und unauffällig war und wartete dann auf die Ansage des Schriftgelehrten.

Es entwickelte sich folgender Dialog:

Arzt: Wie alt ist den der Patient.

KS: Jahrgang 25

Arzt: Ja. Und was soll ich jetzt machen?

Was soll man bitte dazu sagen? Mir lag ein „Hast du jahrelang Medizin studiert oder ich?“ auf den Lippen, aber ich hab ja durchaus mal gute Erziehung genossen.

Und wieder mal…. aufgeschoben

Ich weiß ich wartet alle gespannt auf Werksspionageberichte… aber …ich kann euch keine liefern. Noch nicht. Immernoch nicht.

Meine OP ist mal wieder verschoben worden. Ich war darüber so sauer das ich mich beinahe die komplette letzte Woche eingeschlossen hab und meine Zeit mit schlafen, rauchen und Serien über brutal zerstückelte Leichen verbrachte.

Wie es zur erneuten Verschiebung kam? Nunja, ich war am 20. in der Ambulanz meines erwählten Krankenhauses. Dort hatten weder der Assistent noch der Oberarzt (selbstverständlich andere als bei der ersten Untersuchung) eine Ahnung weshalb ich überhaupt dort war. Also lasen sie erstmal den Bericht ihres Kollegen, schauten sich die MRT und Röntgenbilder an, unterzogen mich erneut einer sehr schmerzhaften Untersuchung und dann entschied der OA…“Ja, ich spritze ihnen jetzt mal ein Lokalanästhetikum in den Schleimbeutel hinter die Sehne, dann schauen wir ob die Schmerzen besser werden und nächste Woche kommen sie dann wieder und wir entscheiden was wir operieren.“

Gesagt , getan. Wiederrede duldete er nicht da ich schon sehr kategorisch die von ihm favoristierte Cortisoninjektion abgelehnt hatte.  Und die Frage warum sein OA Kollege deutlich eine OP empfohlen hatte und warum er jetzt nochmal eine Woche warten will bis ich dann mal einen Termin bekomme von dem ich dachte ich hätte ihn schon… naja… beantwortet hat er sie nicht, eher ignoriert.

Gestern bin ich also wieder in die Ambulanz gedackelt. Wieder eine andere Assistenzärztin als letzte Woche. Glücklicherweise diejenige welche mich im Juli schon untersucht hatte…Und oh Wunder, sie erinnert sich an mich. Und löst das ganze recht simpel. Fragt mich kurz ob die Lokalanästhesie geholfen hätte. Ja hat sie für ca. 2-3 h hat sie einen Teil der Schmerzen beseitigt. Dann ruft sie im OP an, spricht mit dem OA von letzter Woche und macht danach Nägel mit Köpfen und gibt mir einen OP Termin. Nunja, eigentlich gibt sie der Empfangsdame einen Wisch auf das sie mit mir einen Termin ausmache.

Die Kranke Schwester humpelt also brav zum Empfang und soll einen OP Termin in 6 Wochen bekommen…

 

 

…und an dieser Stelle war es dann für mich vorbei. Ich hab Geduld. Auch Monate lang. Ich weiß das sich OP Termine nicht aus dem Hut zaubern lassen. Ich weiß das die arme Dame die mit dem Terminbuch vor mir sitzt nichts dafür kann das ich monatelang hin und her geschickt wurde. Aber… sie bekommt es jetzt leider ab. Was genau lasse ich aus Gründen der Diskretion besser weg. Aber soviel, ich schäme mich ein wenig, eigentlich bin ich nicht so. Dennoch hat es geholfen. Wundersamer Weise fand sich ein OP Termin in etwa 3 Wochen statt 6.

Also muss ich bis zum 19.11. warten. Wiedermal.

liebe Grüße die Kranke Schwester

ps: Und den Anästhesisten bring ich auch noch von seiner Idee ab mir ne Vollnarkose zu verpassen…. 😉

Mein Freund die Bahn

Da will man umweltfreundlich sein und Bus und Bahn nutzen. Es gibt ja so ein tolles Tagesticket für NRW. Und was ist? Das Ding gilt erst ab 09:00 Uhr. Leider muss ich da aber schon am Ziel angekommen sein. Also muss ich statt morgen früh entspannt mit der Bahn zu fahren heute in mein überheiztes Auto steigen und mich auf die Autobahn quälen. *grummel*

Meine Vorurteile Deine Vorurteile

Ich habe zeitweilig das Gefühl das jede Berufsgruppe im Gesundheitswesen meint sie sei die Wichtigste und würde von allen anderen Unterschätzt.

Die Ärzte regen sich auf weil alle meinen sie würden im Geld schwimmen und auf hohem Niveau jammern.

Die Schwestern regen sich auf weil man sie nur als „Urinkellner, Lappenschwinger und Bettenschubsen“ sieht

Die Rettungsassistenten und Sanitäter regen sich auf weil sie die „Taxifahrer“ sind die nur von A nach B fahren und keine Ahnung haben

Die Physiotherapeuten regen sich auf weil alle immernoch von Krankengymnastik reden

Jeder denkt insgeheim von sich das seine Berufsgruppe am meisten unterschätzt wird und das er ja ach so missverstanden wird.

Alle jammern gegenseitig wie schlecht es ihnen doch geht und mit was für Vorurteilen man sich jeden Tag in seinem Job rumplagen muss.

Und kein Mensch denkt mal darüber nach mit welchen Vorurteilen er so durchs tägliche (Berufs-)Leben geht.

So das musste mal raus.


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Was sie schon immer über die Kranke Schwester wissen wollten, aber nie zu fragen wagten.

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