Was wäre wenn – Blogaktion

Gestern haderte ich mal wieder mit mir ob ich nicht doch lieber Medizin studiert hätte, da schrieb die kleine Aufschneiderin mir im Twitter ich solle darüber doch einen“Was wäre wenn“ Artikel schreiben. Und nach kurzem Nachdenken fand ich die Idee garnicht schlecht. Viele von uns haben einen Beruf den sie gerne ausüben würden, also warum nicht mal den anderen erzählen wie man sich einen Tag im Traumjob so vorstellt? Und herausfinden was genau man eigentlich über den vermeindlichen Traumjob weiß.  Sollte jemand in seinem Traumjob arbeiten , dann kann er oder sie auch gern seinen Albtraumjob beschreiben😉

Ich mache mal den Anfang und beschreibe meinen Tag als Ärztin🙂

Ein wenig Klischee und Idealisierung sehe man mir bitte nach …ich bekomm ja immer nur Bruchstücke mit und schließlich will man beim Traumjob ja nicht ans negative denken😉

Montag morgens halb 8 in einem Krankenhaus auf dem Land. Frau Dr. Kranke Schwester schlürt auf die Station und zieht sich im Arztzimmer um. Als ich auf den Flur trete spricht mich direkt Schwester Katja an…tausend Sachen die nach dem Wochenende geklärt werden müssen. Aber nichts davon klingt lebensbedrohlich, also erstmal zur Frühbesprechung. Dort besprechen wir… irgendwas, ich hab keine Ahnung.😉 Dann zurück auf die Station, Kaffee holen und erstmal auf den neuesten Stand gebracht werden. Welche Patienten sind neu , was war am Wochenende? Dann dem Pflegepersonal die Kurven abringen und Visite machen. Die meisten Patienten frühstücken gerade , einige sind bei Untersuchungen, also geht es relativ schnell. Zwischendurch kommt immer mal jemand vom Pflegepersonal und fragt dieses und jenes. Noch schnell zwei Viggos (Venenverweilkanüle, die lustigen bunten „Nadeln“ im Arm für Infusionen) legen, naja schnell ist relativ, und dann ins Arztzimmer.

Was ich da nun mache? Gute Frage. Ich tippe jetzt mal darauf das ich Befunde durchsehe, Briefe diktiere, Anrufe annehme, mich mit Kodierung herumschlage und Untersuchungen hinterher telefoniere.

Hmm was mache ich als Ärztin sonst noch? Mit meinen Kollegen sprechen, Anordnungen in die Kurven schreiben, Frühstückspause machen. Dann wieder im Arztzimmer am PC herumwerkeln. Telefonate und Gespräche mit Angehörigen führen, Vormittags in der schlecht besetzten Funktionsabteilung Untersuchungen machen. Dabei immer wieder Telefonate von Station annehmen weil Fragen sind. Mittags wieder auf Station aufschlagen. Mittagspause machen. Dann ist wieder eine Besprechung von 13 bis 14 Uhr. Ich vermute mal wir besprechen die Befunde der OP’s oder größeren Untersuchungen wie Herzkatheter und ähnlichem.

Wieder auf Station erstmal Kaffee trinken und dann wieder Befunde sichten. Gespräche mit Angehörigen und mit Patienten die meinen es sei keine Visite gewesen *seufz*

Wenn Wochenmitte wäre hätte ich Nachmittags noch Oberarztvisite. Da kann ich dann das Pflegepersonal ärgern in dem ich alles was ich morgens angesetzt habe wieder ändere😉

Was mache ich den Rest des Nachmittags? Hmm vielleicht hänge ich EK’s an. Mache ein Punktion. Und weiter Papierkram, Gespräche, Telefonate. Mehr Kaffee…

Und dann pünktlich (haha) um 17.00 Uhr ziehe ich mich um. Auf dem Weg durchs Dienstzimmer fängt mich jemand vom Pflegepersonal ab und ich muss noch Marcumar ansetzten😉 Und dann gehe ich nach Hause.

So, das ist eine Mischung aus meinen Beobachtungen, Vermutungen und Vorurteilen über den Job der Arztes. Wie man sieht eindeutig gefärbt von der Arbeit auf einer internistischen Station. Wenn ich wirklich Medizin studieren würde wäre ich allerdings nicht Internistin geworden. Und auch keine Chirurgin. Mich würde die Anästhesie reizen. Aber da ich leider nicht viel im OP gearbeitet habe kann ich dazu absolut keinen Tagesablauf schreiben.

Jetzt gebe ich das ganze frei und hoffe auf eure Kommentare. Was sehe ich falsch? Was habe ich vergessen? Wo trügt der Schein? Was ist Klischee?

Ich freue mich auf Kommentare und hoffe das der ein oder andere sich beteiligt und seinen Tag im Traumjob beschreibt.🙂

20 Responses to “Was wäre wenn – Blogaktion”


  1. 1 rosenyland1984 11. April 2011 um 21:29

    Was sind „Viggos“ ? Dumme Frage von mir – doch ich hab‘ von medizinischen Fachausdrücken keine Ahnung.

  2. 2 krankeschwester 11. April 2011 um 21:32

    Venenverweilkanüle, die lustigen bunten „Nadeln“ im Arm für Infusionen Ich hab es oben mal in Klammern dazugeschrieben🙂

  3. 3 chefarzt 11. April 2011 um 21:55

    Gute Aktion, ich nehme dann wahrscheinlich die Krankenschwester. Der Tagesablauf eines Anästhesisten ist übrigens in 2 Sätzen rasch beschrieben: Prämedizieren, Volldröhnen, Schnorcheln und wieder Aufwecken … usw.

  4. 5 docadenz 12. April 2011 um 06:34

    So doof ist die Beschreibung gar nicht, nur dass da noch hinzu kommen muss, dass du das alles in der halben der dafür nötigen Zeit tun musst/sollst und deswegen es nicht schaffst, auch nur aufs Klo zu gehen geschweige denn Pause zu machen(Bekannte von mir bringt das immer wieder… stress und so)

  5. 6 rosenyland1984 13. April 2011 um 16:14

    @krankeschwester

    Alles klar, danke für die Info. *freu* Im Augenblick geht’s mir relativ gut, so dass ich keine Infusion brauche.

    Ist es technisch möglich z.B. Cola oder Kaffee intravenös einzuflößen ? Immerhin sind es ja auch Flüssigkeiten.

    Diese Frage ist halb ernst halb scherzhaft gemeint.

    • 7 krankeschwester 13. April 2011 um 16:17

      Ich denke exakter beantworten kann die Frage einer von unseren Docs😉 Aber ich denke mal technisch ist es möglich. Die Frage wäre dann nur wie die Blutgefässe und der Körper das ganze Aufnehmen. Und ob die Cola vielleicht alles verklebt, hochdosierte Glukoselösung gibt man z.B. wenn auch eher über einen Zugang mit großem Durchmesser.

  6. 8 Federkiel 13. April 2011 um 19:41

    Jaaa, darüber habe ich in der letzten Zeit auch häufig nachgedacht – warum bin ich keine Ärztin geworden? Ich habe eindeutig eine Affinität zu Medizin … Aber der Zug ist jetzt 20 Jahre abgefahren😉 Und ob es dann mein Traumberuf gewesen wäre … keine Ahnung. Und so, wie’s jetzt ist, ist gut🙂

  7. 9 chaotiker 13. April 2011 um 21:49

    Also das mit der iv Behandlung bei chronischer hypocoffeinämie würde mich ja auch mal interessieren… Psychodoctrix sacht, das geht bestimmt…

    • 10 DrMang 14. April 2011 um 19:11

      Sehr realistisch der Tagesablauf. Als Assistenzarzt auf der Inneren läuft es fast genau so!

      Kaffee schwarz i.v. würde man eventuell eine Tasse überleben, bei Cola dürfte es ab bereits einer sehr kleinen Menge Probleme geben wegen: Kohlensäure, Phsphorsäure und dem riesigen Zuckergehalt.

      • 11 krankeschwester 14. April 2011 um 19:13

        Danke:-) Hab unseren Doc’s ja lang genug zugesehen.

        Und danke für die Info’s. Darum nehm ich meinen Kaffee i.v. nur mit Milch und Zucker😉

  8. 12 stachel 26. April 2011 um 10:23

    Ist zwar schon etwas älter dein Posting aber hier hab ich trotzdem mal nen Link für dich der anschaulich zeigt was Anästhesisten den ganzen Tag lang so treiben:

  9. 13 rosenyland1984 1. Mai 2011 um 17:07

    @krankeschwester

    Alles klar. Danke für die Infos. Ich freu‘ mich sehr darüber.

    Darf ich dich bei meinem Blog verlinken ?

  10. 15 rosenyland1984 3. Mai 2011 um 14:32

    @Krankeschwester

    Super, dann wird dein Blog hiermit verlinkt.Ich freu‘ mich sehr darüber.

    Viele herzliche Grüße

    Andrea


  1. 1 Monsterdoc – Arzt Blog, Medizin Satire » Was wäre wenn – Blogaktion Trackback zu 12. April 2011 um 22:41
  2. 2 Was wäre wenn – Blogaktion » Der Krangewarefahrer « Trackback zu 13. April 2011 um 12:35
  3. 3 Ulf. Mehr oder minder täglich Privatkram. Trackback zu 13. April 2011 um 12:59
  4. 4 Was wäre wenn – Blogaktion: Gasmannzeit | rettungsdienstblog Trackback zu 14. April 2011 um 06:36
  5. 5 Monsterdoc – Arzt Blog, Medizin Satire » Was wäre wenn – Blogaktion Trackback zu 5. Juni 2011 um 21:43

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Was sie schon immer über die Kranke Schwester wissen wollten, aber nie zu fragen wagten.

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