Ein Tag wie jeder andere

Fast ein Jahr ist es her das ich einen normalen Frühdienst an einem Montagmorgen hatte. Heute war es so weit und dieser Morgen hatte wirklich alles zu bieten was zu einem gelungenen Montag gehört…

04.30 Uhr Der Wecker klingelt.

05.00 Uhr Ich bequeme mich dazu aus dem Bett zu steigen, wissend das ich eigentlich in 15 Minuten im Auto sitzen müsste.

05.25 Uhr Ich sitze im Auto. Duschen habe ich dem Frühstücken vorgezogen.

05.40 Uhr Hier besser langsam fahren, letzte Woche bekam ich an genau dieser Stelle ein orangefarbenes Blitzlicht zu sehen.

05.50 Uhr Ich bin doch pünktlich. Überraschend. Kaffee.

06.15 Uhr Erkenntnis während der Übergabe : Heute wird ein Tag der verrückt macht. So gut wie alle Patienten waren heute Nacht anscheind extrem auffällig.

06.30 Uhr Ich habe den Koordinationsdienst gewonnen. Also Wagen suchen, mit den Blutentnahmen losziehen. In Gedanken schonmal sortieren wo ich meine geplanten Aufnahmen unterbringen werde. 2 Frauen. Wir haben 1 Männer – und 2 Frauenbetten frei. Kein Problem also.

07.00 Uhr Ich bin mit den Blutentnahmen fertig. Bis auf eine Ausnahme alles im first try.

07.15 Uhr Bettenplanung im Eimer. Eine Aufnahme aus der Notaufnahme.

07.45 Uhr Blutzuckerrunde fertig, zwischendrin immer wieder Telefonate. Hier jemanden zum EKG schicken, dort jemandem ein Ohrläppchen einreiben für eine BGA. Mittendrin dem neuen Stationsarzt sämtliche neuen Patienten und aussergewöhnliche Vorfälle vom WE übergeben.

08.15 Uhr Die Neuaufnahme ist versorgt. Unterdessen einen ambulanten Herzkatheterpatienten angenommen. Die erste geplante Neuaufnahme steht auch schon auf der Matte. Reicht mir strahlend vor Freunde ihren Einweisungsschein auf dem ein Post-It mit der Station und der Uhrzeit klebt an dem sie da sein soll. 09.30 Uhr . „Wir sind ein bisschen früher “ sagt ihr Mann. NAgut. Erstmal runterschicken zur Anmeldung. Daten aufnehmen lassen. Das machen wir zum Glück nicht auf der Station.

08.25 Uhr Schnell zwei neue Patientenakten zusammensuchen und schonmal mit Datum versehen und sortieren. Eine Verlegung von der Intensiv annehmen. Endgültig ByeBye Bettenplanung.

08.45 Uhr Das ausgelassene Frühstück macht sich bemerkbar…. Hunger…. aber erstmal den ambulanten Patienten versorgen.

09.20 Uhr Während der Frühstückspause trifft die 2. geplante Aufnahme ein. Ich sage ihr das es noch einen Moment dauert, biete etwas zu trinken an. Sie erklärt mir lautstark das sie Diabetikerin sein, nichts gefrühstückt habe und weder Medikamente genommen noch Insulin gespritzt habe. Okay, keine oralen Antidiabetika ist ja völlig in Ordung. Aber warum sagt keiner den Patienten bei der Terminvergabe das sie erst am nächsten Tag zur geplanten Untersuchung drankommen, somit am Aufnahmetag nicht nüchtern sein müssen? Ich erkläre, messe Blutzucker, biete Frühstück an. Kein Problem, die Patienten hat „eine Stulle mitgebracht“.

10.00 Uhr Ich bearbeite die erste Aufnahme. Leider versteht sie mich kaum und spricht kein Deutsch. Zum Glück ist ihr Mann da und übersetzt.

10.15 Uhr Zweite Aufnahme. Die nette Dame erzählt mir direkt sämtliche Vorerkrankungen und alle zugehörigen Medikamente bevor ich überhaupt dazu komme ihr zu sagen das diese Dinge der Stationsarzt später  im Aufnahmegespräch mit ihr durchgehen wird.

10.25 Uhr AUTSCH. Heute früh Anruf in der Endoskopie wegen einer mehr oder weniger Notfallsonoanordung vom Diensthabenden in der Nacht vergessen. Bitten und betteln am Telefon… „Die macht der Chef nur wenn wir hier ne Anmeldung haben“ Zum Glück hat der Nachtdoc eine ausgefüllt. Schnell runterlaufen, abgeben, entschuldigen und vielmals Danke sagen.

Gegen 11 Uhr. Notfall. Eine Patientin die bereits 3 PTCA’s  + Stents bekommen hat und danach noch einen weiteren Herzinfarkt bekam hat Thoraxbeschwerden, ist kaltschweißig, kaum ansprechbar, Blutdruck nicht messbar. Arzt dazuholen, Notfall EKG schreiben lassen… schnell ist klar mit ziemlicher Sicherheit ein weiterer Infarkt.  Zusammen mit dem Stationsarzt die Patientin auf die Intensiv verlegen. Auf dem Rückweg direkt eine neue Patientin von der Intensiv mit auf Station nehmen.

11.30 Uhr Zum Glück wird eine andere Dame entlassen. Schnell das Bett raus. Platz für die neue Intensivpatientin. Und Telefon. Noch einen Mann von der Intensiv übernehmen. Zum Glück nicht sofort. Vorerst nur den Platz reservieren. Welchen Platz? Naja findet sich schon irgendwie.

12.oo Uhr Chaos auf dem Schreibtisch lichtet sich so langsam. Habe endlich die Kurven für die Neuaufnahmen fertig machen können und sie ins Arztzimmer gelegt für die Aufnahmegespräche. Auf Hinweis unserer Servicekraft sehe ich mit einer Kollegin nach einer Patientin die sich in der Nacht den ZVK gezogen hat. Sie sei wohl „etwas durcheinander“.

12.10 Uhr Die gute Dame ist nicht „etwas durcheinander“ sondern mitten im herrlichsten verwirrten und aggressiven Zustand angekommen. Ich befrage kurz den Doc, mache mich mit wenig Hoffnung auf Erfolg und ein paar Tröpfchen Atosil auf den Weg zur Patientin. Wie zu erwarten… keine Chance das sie die Tropfen nimmt. Doc dazugeholt. Bringt auch nichts. Da  die Patientin erst am  WE von der Intensiv zu uns kam sind wir nicht im Bilde wie die genaue Vorgeschichte aussieht, ob es Angehörige gibt etc. Zum Glück hat die Patientin sich die Viggo noch nicht gezogen, also gibt es statt der Tropfen eine Kleinigkeit i.v. Danach geht es an die Abklärung der Vorgeschichte. Überlegung ob und welche Diagnostik notwendig sei. Arztsache. Also zurück zum Chaos.

12.45Uhr Kurz auf dem Balkon gewesen. Als ich zurückkomme begegnet mir meine Kollegin das Bett des Patienten den ich zwischenzeitlich noch von der ZNA aufgedrücktbekam schiebend auf unsere Nachbarstation. Er war garnicht für uns geplant sondern für eine andere kardiologische Station die spezielle Telemetriegeräte zur EKG-Überwachung besitzt. An genau so eins sollte der Patient wegen kritischer Herzrhythmusstörungen…

13.00 Uhr Meine Kollegin machen Übergabe, ich beseitige das restliche Chaos im Dienstzimmer.

13.30 Uhr Feierabend…oder auch nicht.Eine neue Ernährungspumpe wird gebracht. Der nette Herr vom Herstellerkonzern bietet eine Schnelleinweisung von „nur 5 Minuten“ an…

13.45 Uhr Auf Richtung Umkleide. Zum Glück habe ich morgen Spätdienst.

4 Responses to “Ein Tag wie jeder andere”


  1. 1 shortend 11. Mai 2010 um 13:11

    Da hattest du ja nen bunten Tag! Hoffe, dein Spätdienst wird ruhiger!

  2. 2 podruga 12. Mai 2010 um 20:13

    heftig. mein voller respekt!


  1. 1 Tagesprotokolltime « Medizynicus Arzt Blog Trackback zu 11. Mai 2010 um 21:25
  2. 2 Nostalgie « Kranke Schwester Trackback zu 5. Mai 2011 um 21:48

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