Ich will einen Einzelarbeitsplatz!?!

Ein nettes Büro. Einen Stapel Akten. Einen PC. Ein paar Blumen. Arbeitszeiten von 8 bis 16 Uhr. Die Wochenenden frei.

Warum ich das schreibe? Nunja. Ich mag meinen Job wirklich. Aber je länger ich raus bin um so mehr kommen mir Zweifel ob es wirklich das ist was ich weiter machen will. Die Bezahlung ist schlecht. Die Arbeitsbedingungen sind mies und werden nicht besser. In Österreich verdient eine Pflegehelferin mit nur einem Jahr Ausbildung soviel wie ich nach 3 Jahren Ausbildung. Das ist nicht fair. Wenn ich arbeite muss ich zusehen das ich die Patienten möglichst schnell „abfertige“ damit ich genug Zeit habe für Bürokram, Organisation und Dokumentation. Die Prioritäten sollten andersherum sein. Wer sich Zeit nehmen will, ganzheitlich pflegen der erlebt schnell das es einfach nicht zu schaffen ist. Ich hab in der Ausbildung vieles gelernt um einem Patienten den Aufenthalt im Krankenhaus und auch die Krankheit so angenehm und erträglich wie möglich zu machen. Doch Zeit und Möglichkeit dieses Wissen anzuwenden habe ich nicht.

Ich bin jetzt seit 4 Jahren examinierte Krankenschwester. Seit 7 Jahren arbeite ich im selben Krankenhaus. Und jetzt bin ich müde. Wenn ich meine Kolleginnen besuche oder mit ihnen telefoniere höre ich nur Klagen, Stress und Unzufriedenheit. Ich möchte gerne sagen das ich meinen Job jeden Tag mit Freude mache, aber dem ist nicht so. Ich rege mich auf, ich bin unzufrieden und unmotiviert. Ich habe das Gefühl das es die Chefetage herzlich wenig kümmert wie es um die Motivation der Mitarbeiter steht.

Ich weiß es ist utopisch anzunehmen das es in anderen Branchen besser zu geht. Aber trotzdem überlege ich jeden Tag welcher Job mir statt meinem jetzigen Spass machen könnte. Ich werde in einigen Monaten umziehen. Und mir an meinem neuen Wohnort auch wieder einen Job als Krankenschwester suchen. Aber ich weiß nicht ob ich nächstes Jahr um diese Zeit immernoch als Krankenschwester arbeiten werde.

8 Responses to “Ich will einen Einzelarbeitsplatz!?!”


  1. 1 Patrick 18. November 2009 um 23:21

    Von der fehlenden Anerkennung ganz zu schweigen. Jede Bürotippse die den ganzen Tag nur Termine ausmacht wird mehr geachtet. Nach vorne hin wird zwar Anerkennung geheuchelt aber ich sehe selbst wie insgeheim über meinen Berufsstand gedacht wird. Ich spare mir an dieser Stelle mal die Aufzählung einiger Vorurteile.

    Ich bin erst seit kurzem voll examiniert in dem Beruf und ich gehe auch noch jeden Tag mit Spaß und Freude zur Arbeit aber ich merke bereits jetzt wie unter den gegebenen Dingen jeden Tag ein winzig kleines Stück der Freude und Motivation abgeschnitten wird. Alles was ich in meiner Ausbildung gelernt habe musste ich beim Eintritt in die Examiniertenära auf den Kopf stellen und dabei war der Wechsel des KH gar nicht mal dran schuld. Ich kann dich verstehen und ich hoffe dass der Tag an dem mir mein Beruf des Kinderkrankenpflegers (bei Erwachsenen) kein Spaß mehr macht noch lange auf sich warten lässt. Aber man ist berufsbedingt ja eher Pessimist😉

  2. 2 chefarzt 19. November 2009 um 00:34

    Nicht unterkriegen lassen! Es ist überall schwierig, heutzutage. Oder eben ab nach Österreich. Ist doch gar nicht so weit!

  3. 4 Chris 19. November 2009 um 09:02

    Hm, das ist schon schwierig mit den Jobs, Anerkennung, ausreichend Zeit und zufriedenstellendem Material zur Patientenversorgung, etc. Da verliert man schnell die Motivation. Und das geht nicht nur Euch Krankenschwestern so😉

    Was soll ich denn sagen? Ich mach ne zweijährige Ausbildung und verdiene gerade mal nen Hunni mehr wie ein Rettungssanitäter, der aber nur 3 Monate zur Ausbildung war. Ist das fair?

  4. 5 Michaela 19. November 2009 um 11:04

    Ich bin jetzt seit 36 Jahren (mein Gott, was bin ich schon alt…) examiniert und arbeite seit nunmehr 26 Jahren in einer sehr großen Dialysepraxis. Vor 12 Jahren hab ich noch die Zusatzausbildung zur Nephrologiefachschwester gemacht. Nach vielen Jahren als Leitungsvetretung hab ich dann Anfang 2001 die Sttion übernommen. Meinen Beruf hab ich immer als Berufung angesehen – oft musst ich mir die Frage zuhause gefallen lassen, mit wem ich eigentlich verheiratet bin. Bis – ja bis ich im September 2003 einen Arbeitsunfall hatte. Trimalleoläre OSG Fraktur re mit teilweiser Einsteifung des Knöchels.

    Da meine Chefs in dem Jahr meiner Abwesenheit die Stationsleitung anderweitig vergeben haben, war mir nach meiner Rückkehr der Rüchzug an den Schreibtisch verwehrt. Die Stunden, die ich noch arbeitete, nachdem die Berufsunfähigkeitsrente genehmigt war, waren nur noch stehend, gehend, hebend und rennend.

    Der GdB wurde mit 30% festgesetzt, das Arbeitsamt hat mich dann schwerbeschädigten Menschen gleichgestellt. Nach vielem Hin und Her und der Einschaltung des Integrationsfachdienstes waren meine Chefs gezwungen, mir einen behinderten- und leidensgerechten Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen.

    Nun sitze ich hier in meinem Büro, mache QM und Datendigitalisierung, bin rundum zufrieden und verschwende kaum einen Gedanken an früher, obwohl ich auch gedacht habe, ohne Patienten kann ich nicht. Also genau das, was du dir wünscht.

    Puh, ein langer Beitrag! Was ich damit sagen will: Nachdem deine Fußwerkzeuge offensichtlich auch nicht mehr so wollen, wie sie sollen, kann ich dir nur empfehlen, auch über das Versorguns- und Arbeitsamt einen Schwerbeschädigtenstatus zu erlangen. Letztendlich bleibt deinem Arbeitgeber gar nichts anderes übrig, als dich an einen Schreibtisch mit optimalen Arbeitszeiten zu setzen…

    Erst mal wünsch ich dir für heute eine gur verlaufende Operation und baldige gute Besserung! Lass dich nicht unterkriegen!

  5. 6 andrea 19. November 2009 um 11:19

    Du sprichst mir aus dem Herzen!
    Von Oben wird man gedrückt und von den Patienten gibt es auch nur Nörgelei und Unzufriedenheit, obwohl man sich schon den A…. aufreißt.
    Der „zahlende Kunde“ will ja was haben für sein Geld.
    Druck gibt es ja nicht nur von der PDL sondern auch der ärztliche Dienst rasselt zunehmend mit den Säbeln. Einst nette PJ’s mutieren zu Hyänen. ich weiß sie könne auch nicht anders, auch sie haben Druck….trotzdem machen sie den Pflegenden und sich selbst das Arbeitsleben schwer.

    Ich suche jetzt seit fast 4 Jahren noch einer Alternative….2 Jahre hab ich noch….dann ist die Elternzeit vorbei.

    Ich hab keine Hoffnung, daß ich bis dahin eine wirklich attraktive Alternative finden werde.
    Solltest Du einen Geistesblitz haben, dann wäre ich über Tipps sehr dankbar!
    Viele liebe Grüße und alles gute für die OP!
    Andrea

  6. 7 drgeldgier 24. November 2009 um 12:30

    Oh wie ich Dich verstehe – unsere Beruf saugen, saugen, saugen und zum Auftanken bleibt wenig Zeit.
    Manchmal wünsche ich mir auch einfach mal was ohne Medizin. Aber wenn das so leicht wäre. Bei mir in meinem Alter ist der Zug eh schon abgefahren.

    Apropos Köln: wenigsten kannst Du Dich dort mit gutem Früh-Kölsch trösten😉

  7. 8 Paul 24. November 2009 um 21:55

    Ich kann dich wirklich verstehen. Aber wie schon einige gesagt haben, fast überall ist es genauso. Ich arbeite im RD und es wird und wird nicht besser. Die Bezahlung wird auch immer weniger, dafür muss ich mehr arbeiten und mehr verantwortung übernehmen.

    Wie sagte Roger Willemsen letztens erst in einem Radiointerview..“er wundert sich, dass es noch zu keinen sozialen Unruhen gekommen ist.“


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