Ausgebrannt!?

Eine Theorie sagt: „Nur jemand, der einmal entflammt war, kann auch ausbrennen!.“ (Pines, Aronson & Kafry, 1985)

Ein Burnout-Syndrom (engl. (to) burn out: „ausbrennen“) ist ein Zustand ausgesprochener emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit, das als Endzustand einer Entwicklungslinie bezeichnet werden kann, die mit idealistischer Begeisterung beginnt und über frustrierende Erlebnisse zu Desillusionierung und Apathie, psychosomatischen Erkrankungen und Depression oder Aggresivität und einer erhöhten Suchtgefährdung führt.

(Quelle: Wikipedia)

Immer wieder hört und liest man von Menschen in medizinischen (und auch anderen) Berufen die ausgebrannt sind. Vielleicht kennt man auch den ein oder anderen Betroffenen. Auch bei mir gibt es eine Kollegin die lange Krank geschrieben war. Erst hieß es ein Unfall, Schleudertrauma ,… irgendwas in der Richtung. Je länger ihre Abwesenheit dauerte um so klarer wurde allen da muss etwas anderes dahinter stecken. Eine Kollegin fasste sich ein Herz , rief sie an und lud sie zum Kaffee ein. Und dann erzählte die Kranke. Von der Angst, vom Gefühl der Leere, davon das ihr jeden morgen schlecht wird wenn sie nur daran denkt in die Klinik zu müssen. Von der inneren Unruhe und der Verzweiflung. Sie war erschöpft, frustriert… ausgebrannt.

Ich habe selbst gerne mit der Kollegin gearbeitet. Wir hatten immer viel Spass und haben ständig nur Blödsinn gemacht. Rumgealbert, den Docs Streiche gespielt, etc… Sie war immer fröhlich und guter Stimmung.

Jetzt frage ich mich ständig ob das ganze nur aufgesetzt war. Hätte ich etwas bemerken können? Hätte ich ihr , wenn mir etwas aufgefallen wäre, helfen können? Ist anderen vielleicht etwas aufgefallen? Warum konnte sie uns nicht sagen das es ihr schlecht geht? Hatte sie Angst? Angst das jemand denken könnte sie sei psychisch nicht so belastbar wie die anderen? Angst das man sie nicht versteht?

Ich kann nicht sagen was sie gedacht und gefühlt hat. Ich weiß auch nicht wie sich ein Burn Out Syndrom anfühlt. Aber ich weiß wie es ist das Gefühl zu haben kurz davor zu stehen.

Es ist einige Zeit her. Ich hatte keine Lust mehr in meinem Bereich zu arbeiten. Ich wollte etwas neues machen. Also stellte ich einen Versetzungsantrag in eine andere Fachabteilung. Dieser wurde überraschend schnell genehmigt und ich hatte 6 Woche Zeit mich von meiner Arbeit und meinen Kollegen zu verabschieden. Dann ging es in eine (ganz ganz ) andere Abteilung, in einer anderen Stadt. Ich suchte mir ein neue Wohnung und zog um. Wegen Krankheitsausfällen arbeitet ich bis Sonntag auf meiner alten Station. Montag morgen um 7 begann mein Dienst an meinem neuen Arbeitsplatz. Die ersten Tage waren aufregen, aber ich fühlte mich von Anfang an ziemlich fehl am Platz. Ich hatte während der Ausbildung schon in diesem Bereich gearbeitet, aber das Team das ich dort kennenlernte hatte eine ganz andere herangehensweise an die Arbeit.

Die Tage begannen sich in die Länge zu ziehen und ich bekam mehr und mehr das Gefühl einen Fehler gemacht zu haben. Das ganze zog sich 2 Wochen hin. Dann, während einer Teambesprechung, platzte der Knoten und ich fing an zu weinen. Ich sagte nicht viel. Ich glaube nur „Ich kann das hier nicht!“ und heulte und heulte. Die Kollegen waren sehr nett, eine ging mit mir in einen Nebenraum, tröstete mich und ich konnte mich aussprechen. Darüber wie es war allein mit einem gänzlich neuen Job in einer fremden Stadt zu leben. Alle Freunde kilometer weit weg. Wie es war jeden morgen aufzustehen und Übelkeit zu verspüren beim Gedanken zur arbeit gehen zu müssen.

Ich wurde nach Hause geschickt und von meinem Hausarzt krank geschrieben. Psychische Dekompensation. Ich habe eine ganze Woche meine Wohnung nicht verlassen. Ich bin irgendwann aufgestanden, durch die Wohnung geschlichen, habe tausend Dinge angefangen und direkt wieder aufgehört, habe Stunden in der Badewanne verbracht, geheult, nachgedacht, ins Leere gestarrt. Gegessen habe ich kaum. Ich hab auch keinen angerufen. Meine sogenannten Freunde hätten mich nicht verstanden. Und meinen früheren Kollegen wollte ich nichts erzählen. Es war mir einfach zu peinlich über mein „versagen“ zu sprechen. Was letztendlich den Ausschlag gab das ich mich wieder aufraffen konnte weiß ich nicht mehr. Vielleicht war es ein Zeile in einem Buch. Vielleicht ein Zitat. Eine Stelle in meiner Lieblingsserie. Irgendetwas das mir sagte: Mädchen, du kannst zwar zu Boden gehen , aber lass dich nie auszählen sondern reiß dich zusammen und krieg deinen Arsch hoch. Das Leben geht weiter.

Also bekam ich den Arsch hoch. Zu meinem Glück waren meine Vorgesetzten sehr verständnisvoll und hilfsbereit. Da es in meinem alten Arbeitsbereich an Personal mangelte, und wir gemeinsam zu dem Entschluß kamen das mein neuer Arbeitsbereich nicht das Richtige für mich war, konnte ich wieder zurück und in meiner alten Position arbeiten. Natürlich kamen an den ersten Tagen viele Fragen. Wieso ich wieder da sei? Ich sei doch woanders hingegangen. Wie es mir denn gehe?

Die ersten Dienste auf meiner neuen (alten) Station waren hart. Ich habe manche Minute heulend auf dem Klo verbracht. Aber irgendwann wurde es besser. Ich vertraute mich einigen Kolleginnen an. Und bat sie auch den anderen zu sagen was mit mir los sei, da ich nicht die Kraft hatte es jedem einzelnen zu erzählen. Die Tage wurden besser, ich wurde wieder entspannter. Das Gefühl der Leere und der Hilflosigkeit verschwand. Und auch das Gefühl versagt zu haben wurde weniger. Manchmal befällt es mich immernoch. Aber dann sage ich mir : „Du hast etwas neues ausprobiert und hast frühzeitig gemerkt das es dir nicht liegt. Das ist kein Drama. “

Ich habe irgendwie die Kurve gekriegt. Ich arbeite immernoch auf der selben Station. Klar bin ich auch hier oft frustriert und genervt. Aber ich weiß das ich Kollegen habe die mich unterstützen wenn es mir schlecht geht. Die Verständnis haben für vermeintliches „Versagen“.

Ich wünschte meiner Kollegin wäre es auch so gegangen. Sie arbeitet nicht mehr in der Pflege. Sie hat die Klinik nicht mehr betreten. Beim Gedanke daran wird ihr übel und ihr Kreislauf spielt verrückt…

8 Responses to “Ausgebrannt!?”


  1. 1 Chris 30. Mai 2009 um 15:52

    Hm, ich muss ja wirklich zugeben, dass ich mich auch manchmal frage, was ich hier genau mache. Warum ich mich in diesem Job manchmal dermaßen ausnutzen lasse. Das führt mittlerweile auch schon zu einem recht anfälligen Magen und sehr viel Grübelei und Depri-Stimmung, wenn ich allein bin. Ich weiss nur nicht so genau, wie ich das umgehen kann bzw es wieder besser wird. Ich müsste halt anders an die Sache ran gehen, mir nicht über allen möglichen Mist Gedanken machen und mir so ne Sch….egal-Einstellung wie viele andere auch zulegen. Aber wenn das so einfach wäre…
    Hab auch schon einmal die Flucht angetreten, weil ich nicht mehr weiter wusste und dachte, durch einen Jobwechsel würde wieder alles gut werden. Mit 25 nochmal komplett von vorne angefangen. Neue Ausbildung, neuer Job, neue Wohnorte. Mittlerweile bin ich aber wieder an einem ähnlichen Punkt. Flucht hilft also nicht unbedingt. Bei mir ist es vermutlich auch reine Kopfsache, weil ich einfach vieles viel zu pessimistisch sehe.
    Mal schaun, was die Zukunft bringt.

  2. 2 Schwestertrauma 30. Mai 2009 um 15:55

    Echt bewegend die ganze Sache. Vor allem denke ich, dass gerade die, die ihren Beruf am meisten lieben am ehesten ein Burn-Out-Syndrom bekommen, weil sie am frustriertesten darüber sind, dass sie nicht so pflegen können wie sie gerne wöllten.

  3. 3 krankeschwester 30. Mai 2009 um 16:22

    @Schwestertrauma
    ja das man nicht so pflegen kann wie man es gelernt hat und wie man es für richtig/notwendig erachtet ist denke ich mit die größte Quelle der Frustration

    @Chris Leg dir bloß keine „Scheiß Egal“ Einstellung zu. Dann wird es noch schlimmer. Ich glaube der Trick ist sich selbst bei allem Stress und Grübeln nicht zu vernachlässigen.

  4. 4 chefarzt 30. Mai 2009 um 20:32

    Burn Out, eine zunehmende Erkrankung in Zeiten von Rezession, Arbeitsdruck, Mobbing usw. Sehe ich in der Praxis auch immer häufiger, ist fast schon „Normalität“ geworden, leider.
    Ich denke aber schon, dass es da Auswege gibt.

  5. 5 krankeschwester 30. Mai 2009 um 21:11

    Ich denke was auch ein Problem ist bei den steigenden psychischen Erkrankungen , viele Dinge die früher normal waren gelten heute als krankhaft. Wenn man länger trauert als es „normal“ ist gilt das gleich als Depression. Dabei sind die Menschen einfach nur unterschiedlich.

  6. 6 Neri 30. Mai 2009 um 23:41

    Genau in diesem Versagensgefühl liegt das Problem: Grade im Gesundheitswesen kämpft man personell gesehen oftmals meistens auf verlorenem Posten. Ich will garnicht näher darauf eingehen, was ich diesbezüglich schon so erlebt habe – Du wirst wissen, was ich meine. Fakt ist, das die Entwicklung in Richtung „satt und sauber“ geht… und man den Erwartungen oftmals garnicht gerecht werden kann – erst recht nicht den eigenen…
    Ich hab Leute erlebt, die nur noch auf Droge zur Arbeit kamen, weil sie es anders nicht geschafft hätten, aber auch nicht aufgeben wollten…. ungeachtet des Wissens, dass man sie verheizt.

    LG, Neri

  7. 7 Gilbert Schumann 20. September 2009 um 22:55

    I just do not like change it makes me ill and then I have ausgebrannt . I have still to find a solution to my proplem I keep praying to God


  1. 1 Nostalgie « Kranke Schwester Trackback zu 5. Mai 2011 um 21:48

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