Das ist ja ekelhaft!

Ekel ist die Bezeichnung für die Empfindung einer starken Abneigung und von Widerwillen gegen Substanzen und Objekte wie Nahrung, Exkremente und verwesendes organisches Material oder gegen Gerüche.

Soweit die Einleitung im Artikel von Wikipedia.

Wer im Gesundheitswesen arbeitet weiß, das wir täglich mit vielen Dingen konfrontiert werden die Ekel auslösen. Blut, Exkremente, Gerüche, diverse andere Dinge wie Eiter, Wunden etc.

Wenn ich jemandem erzähle was ich beruflich mache höre ich oft „Das könnte ich nicht!“ oder „Wie hälst du das bloß aus?“

Nunja, ganz ehrlich … ich habe keine Ahnung. Ich tue was nunmal mein Job ist. Ich wische Patienen den Hintern ab, ich halte die Schale fest wenn sich jemand erbrechen muss, ich spüle und verbinde infizierte, eitrige Wunden,

… ja auch mich befällt manchmal der Würgreiz, aber man schafft es irgendwie das Ganze zu unterdrücken. Vielleicht gewöhnt man sich mit der Zeit daran, vielleicht sind manche Menschen einfach weniger empfindlich als andere.

Was mir jedoch auffällt ist das jeder meiner Kollegen bestimmte Dinge hat mit denen er besser und welche mit denen er schlechter klar kommt. Eine Kollegin kann es nicht aushalten wenn sie neben einem Patienten steht der sich erbricht, einer anderen wird regelmäßig schwindelig wenn sie eitrige Wunden versorgen muss.  Mir z.B. wird anders bei allem was mit Sputum zu tun hat. Jeder empfindet andere Dinge als ekelhaft. Was dann hilft ist mit den Kollegen darüber zu reden. Wenn ich genau weiß das meiner Kollegin bei der Wundversorgung schlecht wird mache ich das gerne für sie. Dafür nimmt sie im Gegenzug vielleicht die Sputumprobe des anderen Patienten ab.

Ich denke der schlimmste Fehler den viele machen ist der nicht darüber zu reden wenn sie mit irgendetwas ein Problem haben. Jeder der in der Pflege arbeitet ist ein Mensch. Jeder Mensch ekelt sich vor irgendetwas. Nur weil man weiße Dienstkleidung trägt und vielleicht schon 20 Jahre im Job ist wird sich das nicht ändern.

Wir haben soviele Dinge die uns während der Arbeit belasten, ich finde man sollte es sich nicht aus falschem Ehrgeiz schwerermachen als es sein muss.

Übrigens noch eine nette Anekdote aus meiner Ausbildung. Auch dort besprachen wir das Thema Ekel. Unser Dozent stellte vor jeden von uns einen kleinen Plastikmedikamentenbecher. Dann forderte er uns auf hineinzuspucken und ihn dann direkt wieder auszutrinken. Gemacht haben es fünf von 32…. hättet ihr es gemacht?

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13 Responses to “Das ist ja ekelhaft!”


  1. 1 Alex 23. Mai 2009 um 22:52

    Hut ab! Ich könnt’s definitiv nicht…hab da anscheinend zu viele Ekelgrenzen…

  2. 2 flo 23. Mai 2009 um 23:43

    also den eigenen speichel wieder trinken? mmh, also da seh ich jetzt nicht so das problem … interessant wird es wenn jeder reihum mal reinspuckt und er fragt wer es jetzt noch „trinkt“.

  3. 4 krankeschwester 23. Mai 2009 um 23:55

    Ja das wäre wirklich die spannendere Variante *g*

  4. 5 medizynicus 24. Mai 2009 um 14:02

    Und was hast Du getan?

  5. 6 krankeschwester 24. Mai 2009 um 14:35

    Ich war eine der fünf die es getan haben. Ob ich den Speichel so schlucke oder ob der davor 5 Sekunden an der Luft war….egal oder?

  6. 8 Pflege-Uhu 24. Mai 2009 um 17:20

    ..einmal wümschte ich mir, es gäbe ein Desinfektionsmittel füs Gesicht,.. (das wäre mal eine Erfindung wert)
    ansonsten ist meine Ekelgrenze relativ hoch 😉

  7. 9 chefarzt 24. Mai 2009 um 21:50

    Das sind ja richtige Mutproben bei euch gewesen. Nee, also Gerüche von verfaultem oder erbrochenem sind in der Skala der Ekelheit wohl ganz oben.

  8. 10 Sash 25. Mai 2009 um 02:50

    Ich halte meine Ekelgrenze auch für recht angehoben. Ich hätte (völlig selbstverständlich) meinen eigenen Speichel geschluckt, und ich bin auch immer der nette Kumpel, der Freunden beim Kotzen beisteht. Selbst das Fischen in fremden Exkrementen kriege ich eigentlich ebenso wie das eigenhändige Auskratzen einer Spülmaschinenverstopfung oder dem Entleeren eines schimmelnden Topfes gut hin.
    Dennoch auch von meiner Seite aus Respekt! Denn es ist die eine Sache, das einmal mit entsprechender Vorbereitung zu machen, oder eben, wann immer es nötig ist.
    Klar, die Menschen sind unterschiedlich – und auch deine Einstellung bezüglich falschem Ehrgeiz finde ich treffend! – aber es gibt sicher die ein oder andere Kleinigkeit im Klinikalltag, die mich so sehr belasten würde, dass ich diesen Job nicht machen könnte.
    Ich freue mich über eine derartige Einstellung, ganz ehrlich!
    Und das nicht nur – aber natürlich auch – weil ich in meinem Leben auch schon einmal Schwestern wegen „ekliger“ Dinge bemühen musste.

  9. 11 Katja 27. Mai 2009 um 17:46

    Urin! Am allerallerALLERekelhaftesten ist er, wenn er schön alt und abgestanden ist. *würg* Also, beim ablassen in ein eimerchen wird mir immer ganz anders. Ansonsten geht eigentlich alles mehr oder weniger gut.

    OK, Verbandswechsel im Gesicht bei freiliegendem Unterkieferknochen mit Blick auf den einen oder anderen Backenzahn in einer stinkenden Messiewohnung mit diversen(!) Speichelspuckeimern in diversesten(!!!) Verrottungszuständen war auch ziemlich …unappetitlich. Immerhin war die völlig verkrebste Wunde nicht infiziert… 😉


  1. 1 Eine Kollegin - Radio-People Trackback zu 24. Mai 2009 um 18:04
  2. 2 Nostalgie « Kranke Schwester Trackback zu 5. Mai 2011 um 21:48

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