Willkommen in der Hölle

Mit diesen Worten begrüßt mich einer meiner Lieblingskollegen immer wenn ich zum Dienst komme. Und leider ist der Ausspruch auch häufig Programm. Lustig finde ich ihn trotzdem.

Manch anderes was die Kollegen so von sich geben finde ich hingegen nichtmehr lustig.

Ich denke jeder der im Gesundheitswesen arbeitet kennt es . Man muss einfach mal Dampf ablassen. Da wird über alles und jeden Gelästert.Kollegen, Ärzte, Chefs und Patienten. Meistens über letztere um so ausdauernder je anstrengender sie sind.

Auch mir rutsch häufig genung ein gehässiger Spruch über die Lippen. Ich brauche das manchmal um mir Luft zu machen. Was mir jedoch Sorgen macht ist die Tatsache das ich immer mehr Kollegen erlebe bei denen diese Sprüche nicht nur im Kreis der Kollegen fallen, sondern immer öfter auch im Patientenzimmer oder auf dem Flur. Teilweise habe ich schon Kollegen erlebt die mit anderen Patienten über einen dritten Patienten der sich gerade nicht immer Zimmer befand hergezogen haben. Und ich denke das hört der „Spaß“ auf.

Natürlich sind manche Patienten anstrengend, nervig oder auch schlicht und ergreifend blöd. Aber man sollte nicht vergessen das bei vielen sehr anstrengenden und anspruchsvollen Patienten ein langer „Leidensweg“ vorausgegangen ist. Man kann nie wissen was Patienten während anderer Krankenhausaufenthalte erlebt haben und wovor sie vielleicht Angst haben. Angst allein zu sein, Angst nicht ernst genommen zu werden, Angst keine Hilfe zu bekommen wenn es ihnen wirklich schlecht geht.

Ich merke an mir selbst was der Beruf anrichten kann. Seit ich in der Pflege arbeite sind mir viele Dinge wichtiger geworden, weil ich immer wieder sehe wie schnell das Leben vorbei sein kann. Aber ich bin auch zynischer geworden. Stellenweise verbittert. Und ich Frage mich immer öfter welche Sprüche noch in Ordnung sind und wo die Grenze des guten Geschmacks aufhört.

Ja man muss manchmal Dampf ablassen. Aber das kann doch nicht die Ausrede für alles sein oder?

3 Responses to “Willkommen in der Hölle”


  1. 1 Pflege-Uhu 12. Mai 2009 um 18:53

    ..ja, und schlimm wirds dann wenn man seine Launen an den Patienten auslässt,..
    Macht man ja teilweise dann auch unbewusst, weil man dann automatisch grober oder verschlossener dem andren gegenüber ist. Hab das leider auch schon viel zu oft erlebt,.. ob KH, Heim, oder sonstige Einrichtungen, das gibts überall wo Menschen gepflegt werden..

    Ich hab für mich grundsätzlich die Einstellung jeden so zu nehmen wie er ist,.. auch wenn ich zugebe dass dies mir grad in lezter Zeit auch manchmal schwer fällt.
    Dampf ablassen ist eine Sache, aber ganz klare Grenzen überschreiten eine andere,..irgendwo is man ja auch Vorbild..
    (mit andren Bewohnern / Patienten über andre lästern, geht gar nicht! )

  2. 2 Neri 13. Mai 2009 um 00:31

    Für mich eine Frage des Anspruchs und der Professionalität. Ist im Tourismusbereich nicht anders: So sehr man sich auch über die „Kundschaft“ aufregen mag – der Kunde ist und bleibt König und verdient als Pflicht Respekt und als Kür ein Lächeln… daran sollte sich auch nichts ändern, nur, weil sich das Klientel vielleicht nicht so gut durchsetzen kann, bzw. abhängig ist.
    Dampf ablassen muss sein – nur an adäquater Stelle😉

    LG, Neri

  3. 3 Frauke 13. Mai 2009 um 11:55

    Du hast so Recht. Manchmal kommt einem die Arbeit wie die Hölle vor, die Patienten sind schlecht drauf und dann noch maulende Kollegen. Die sind manchmal schlimmer wie alles andere. Wenn ich genervt bin lasse ich meine Wut vor der Patiententür und gehe lächelnd rein. Mir ist es schon oft so gegangen, wenn du den Patienten anlachst, dann lacht er zurück. So kann ich nach 25 Jahren in der Pflege immer noch mit Freude meinen Beruf ausüben.
    Unser Gesundheitssystem ist eine ganz große Katastrophe. Im August war ich mit in Berlin zum Streiken, es waren viele auf der Straße aber das einzige was in der Zeitung stand waren ein paar Worte. Die großen Schlagzeilen bekamen die Banken die viel Geld verschleudert haben und es immer noch machen. Wir die was am kranken Menschen machen und arbeiten bis zum Umfallen, werden mit einem Hungerlohn bezahlt.


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Was sie schon immer über die Kranke Schwester wissen wollten, aber nie zu fragen wagten.

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