Hobbys? Freunde? Hmm….

Ich werde oft gefragt was ich für Hobbys habe. Nunja…wenn ich ehrlich bin keine mehr. Früher, das heißt vor der Ausbildung, war ich sehr aktiv. Tanzen, im Chor singen, Gitarre spielen, Lesen, ins Kino gehen, Klettern, ausgehen mit Freunden und einiges anderes.

Heute ist das anders. Da es kaum noch Spätvorstellungen gibt und es mir am Wochenende schlicht zu teuer ist gehe ich kaum noch ins Kino. Tanzen, Chor und Gitarre gab ich schon am Anfang der Ausbildung auf. Zuviel lernen, zuviel Schichtwechsel und dadurch zuviele Tage an denen ich an Proben oder Kursen nicht teilnehmen konnte.

Klettern? Ja manchmal am Wochenende. Aber selten. Meine freien Wochenenden sind mit anderen Dingen verplant und an meinen Dienstwochenenden bin ich nach dem Frühdienst schlicht oft zu erledigt um mich danach noch 25 Meter Wand hochzustemmen.

Lesen. Ja das tue ich noch. Sehr gern sogar. Meist schlafe ich jedoch nach einigen Seiten ein. Und ausserdem finden sich unter meinen Büchern mittlerweile erschreckend viele Fachbücher , damit ich nicht das Gefühl habe zur kompletten Fachidiotin zu werden.

Und ausgehen mit Freunden? Nun wenn ich ehrlich bin. Das passiert selten. Meine Freunde von früher wohnen mittlerweile in andern Städten. Und die Freunde die ich noch hier in der Gegend habe arbeiten alle selber im Gesundheitswesen. Die wenigen die es nicht tun verloren irgendwann die Geduld wenn ich bei jeder zweiten Partyeinladung sagen musste :“ Nein da hab ich Nachtdienst! “ oder “ Sorry, da hab ich spät früh!“

Anfangs hatte sie alle noch Verständnis. Aber irgendwann merkte ich selbst das einfach die Gemeinsamkeiten fehlten. Ich war bei vielen Gemeinschaftserlebnissen nicht dabei, weil ich arbeiten musste. Immer öfter hörte ich Geschichten mit an über die sich alle kugelten vor lachen. Nur ich nicht, denn…“man muss wohl dabei gewesen sein!“

Und wenn ich mitging nach einem miesen 12 Tage Turn, und dann einige zynische Bemerkungen über meinen Job machte, oder einfach eine (für mich) super witzige Story erzählte die ich erlebt hatte  sah ich in den Gesichtern um mich rum nur Unverständnis oder Ekel.

Irgendwann wurden die Anrufe und Einladungen weniger. Ich hatte auch teilweise einfach keine Lust mehr mit „Freunden“ rumzuhängen die mich und das was mich bewegt nicht verstehen können. Ich mache ihnen keine Vorwürfe. Ich kann es ja verstehen. Ich denke es ist normal das man sich auseinander lebt. Aber ich habe manchmal das Gefühl das es in Jobs wie Krankenschwester, Arzt, Polizist etc…. einfach häufiger der Fall ist das man die meisten Freunde aus dem gleichen Berufsfeld hat. Und nur wenige die andere Jobs machen.

Meine besten Freunde arbeiten alle im Gesundheitswesen. Ein Krankenpfleger und zwei angehende Ärztinnen und eine Krankenschwester. Den Pfleger und die Schwester kenne ich von der Arbeit. Wir sehen und regelmäßig und arbeiten im selben Haus. Viel Gesprächsstoff also. Die eine angehende Ärztin kenne ich seit der Schule. Sie studiert weit weg von mir. Aber wir haben uns viel zu erzählen. Ich von der Arbeit sie von ihren Praktika etc. Und die letzte angehende Ärztin hat mit mir zusammen die Ausbildung zur Krankenschwester gemacht. Auch sie studiert jetzt weiter weg, aber wir haben soviel miteinander erlebt und durchgemacht , das auch das zusammen schweißt. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin habe ich nur diese „guten Freunde“. Der Rest sind lediglich Bekannte. Die ich zwar sehr gern mag, welche mich aber nicht verstehen.

Wenn ich einen miesen Dienst hatte und reden muss… dann rufe ich einen der vier an die wissen wovon ich rede. Und keinen anderen.

5 Responses to “Hobbys? Freunde? Hmm….”


  1. 1 Albert 4. Mai 2009 um 11:12

    Irgendwie kommt mir das leider alles ziemlich bekannt vor.
    Irgendwie finden alle toll was man so macht, aber genaueres wissen will keiner.
    Ich kann meinen Frust wenigstens bei meiner Schwester abladen, die ist auch Krankenschwester und weiß auch, wovon ich rede.

  2. 2 krankeschwester 4. Mai 2009 um 11:23

    Mein Bruder ist Polizist, aber leider sehe ich ihn so selten. Da quatscht man dann eher über anderes.

  3. 3 Chris 26. Mai 2009 um 16:28

    Kann mich da auch nur anschließen. Wirklich gute Freunde gibt es eigentlich nicht mehr. Dazu wohnen die alten zu weit weg und durch viele Zeitverträge und Umzieherei konnte sich in den letzten Jahren auch nicht wirklich viel neues aufbauen.

  4. 4 Torsten (taxi-blog.de) 20. September 2009 um 05:23

    Bei Nachtschicht-Taxifahrern ist es übrigens genauso… Wer nicht Mo-Fr von morgens bis abends arbeitet, hat wohl einfach dieses Problem mit dem eingeschränkten Freundeskreis. Wie Du schon sagst: Kann man keinem vorwerfen, ist einfach so.


  1. 1 Nostalgie « Kranke Schwester Trackback zu 5. Mai 2011 um 21:48

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