Selbstzweifel…

Es ist jetzt 23.25 Uhr. Ich hab meine Aufgaben erledigt und bewache nur noch meine Schäfchen und warte auf das Morgegrauen. Zeit genug sich ein paar mehr Gedanken über das was ich ich tue zu machen. Ein Satz den meine Tante neulich zu mir sagte geht mir nähmlich nicht mehr aus dem Kopf. Sie sagte : „Weißt du mein Kind, du bist viel zu schlau um nur Krankenschwester zu sein. “

Zu schlau? Nur Krankenschwester? Was soll das bitte heißen? Bin ich etwas minderwertiges weil ich „nur“ Krankenschwester bin und keine Frau Doktor? Ich denke nicht das es so gemeint war ( ich kenne meine Tante) aber trotzdem geht es mir nicht aus dem Kopf. Es lässt mich darüber nachdenken warum ich den Beruf ergriffen habe. Warum heute weiterhin viele den Beruf ergreifen. Es lässt mich darüber nachdenken was ich alles gelernt habe und was ich im Endeffekt von meinem Wissen nutzen kann.

Schauen wir uns doch mal an was ein Ausbildungsportal über die Aufgaben als Krankenschwester (verzeihung Gesundheits-und Krankenpflegerin) schreibt:

„Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen sind verantwortlich für die Pflege und die psychosoziale Betreuung kranker und pflegebedürftiger Menschen. Die Versorgung der Patientinnen und Patienten erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem ärztlichen Dienst und anderen therapeutisch tätigen Berufsgruppen wie Physiotherapie und Sprachtherapie. Kenntnisse der Pflegeforschung müssen in den Berufsalltag integriert werden, damit die Pflegequalität gewährleistet bleibt. Individuelle Pflegepläne werden mit jedem Patienten und ggf. auch mich den Angehörigen angelegt. Des Weiteren bereitet das Pflegepersonal die Patienten für Untersuchungen vor und assistiert den Ärzten bei Untersuchungen und Eingriffen. “

(Quelle http://www.aubi-plus.de )

Das hört sich gut an. Aber schauen wir doch mal was davon auf meine Arbeitsalltag zutrifft….

Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen sind verantwortlich für die Pflege und die psychosoziale Betreuung kranker und pflegebedürftiger Menschen.

Ja, definitiv. Wobei die psychosoziale Betreuung wenn man ehrlich ist aus Zeitgründen meist flach fällt. Von gelegentlichem Smalltalk zwischen Tür und Angel mal abgesehen.

Die Versorgung der Patientinnen und Patienten erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem ärztlichen Dienst und anderen therapeutisch tätigen Berufsgruppen wie Physiotherapie und Sprachtherapie.

Kommt immer drauf an. Mal hat man Ärzte die wirklich mit der Pflege zusammenarbeiten, uns um Rat fragen oder einfach unsere Meinung über den Zustand eines Patienten hören wollen. Aber leider ist das häufig nicht der Fall. Unsere Docs wissen selbst kaum wie sie ihr Arbeit fertig bekommen sollen. Gemeinsame Visite von Arzt und Schwester habe ich hier noch nicht erlebt. Das höchste der Gefühle war eine halbherzige Kurvenvisite.

Und die Zusammenarbeitmit Physiotheapie und Co.? Nunja. Ich sehe unseren Physiotherapeuten einmal am Tag. In der Regel fragt er dann ob es was neues gibt oder ob die Entlassung geplant ist. Das war’s . Enge Zusammenarbeit? Wohlkaum.

Kenntnisse der Pflegeforschung müssen in den Berufsalltag integriert werden, damit die Pflegequalität gewährleistet bleibt.

Ähm ja. Okay Eisen und Fönen ist out. Das wissen wir, aber andere neue Erkenntnisse bekomme ich seit meine Ausbildung vorbei ist nur über Umwege. Entweder ich quetsche meine Schüler aus was es neues gibt oder ich informiere mich selbst durch entsprechende Fachliteratur, Zeitschirften etc.

Individuelle Pflegepläne werden mit jedem Patienten und ggf. auch mit den Angehörigen angelegt.

An dieser Stelle musste ich, so traurig es ist, herzhaft anfangen zu lachen. Ganz ehrlich. Ich bin froh wenn ich, bei der Personalbesetzung die wir die meiste Zeit haben, es  schaffe alle meine Patienten zumindest grundlegend zu versorgen. Von Individueller Pflege , gar von ganzheitlicher Pflege , traue ich mich bei dem was ich tue nicht zu sprechen.

Des Weiteren bereitet das Pflegepersonal die Patienten für Untersuchungen vor und assistiert den Ärzten bei Untersuchungen und Eingriffen. “

Vorbereiten für die Untersuchung. Ja. Durchaus. Darmreinigung vor Coloskopie, Leistenrasur vor Coronarangiographie…aber das ist wirklich nur ein geringer Teil meiner täglichen arbeit. Assistenz bei Untersuchungen? In den Funktionsabteilungen ganz gewiss, aberauf Station? Okay ich halte beim Blutabnehmen (wobei das machen wir mittlerweile selbst) oder beim Venenzugang legen mal den ein oder anderen Patientenarm fest. Aber ist das wirklich Assistenz bei Untersuchungen? Ich glaube kaum.

Ja aber WAS machst du denn den ganzen Tag auf Station?

Ich gehe ans Telefon, ich streite mich mit Angehörigen die abends um 19 Uhr den Sationsarzt sprechen wollen, ich sortiere und hefte Befunde in Akten ein, ich dokumentiere zigfach was ich am Patienten alles gemacht habe. Und zwar soviel das darüber die Zeit ich ich meiner Meinung nach besser den Patienten widmen sollte verloren geht….

Wenn du so unzufrieden bist WARUM machst du den Job dann noch?

Weil ich immernoch Hoffnung habe das sich etwas ändert. Weil ich denke, das Pflege wichtig ist. Weil ich gut in meinem Job bin. Weil es auch Tage gibt an denen ich Zeit für meine Patienten habe. Und weil das dankbare lächeln und ein „Dankeschön“ von einem Patienten der meine Hilfe braucht und bekam mich trotzallem an das Glauben lässt was ich tue.

Nur Krankenschwester… nunja vielleicht ändert sich diese Sicht der Dinge irgendwann wenn die Pflege endlich zu einem eigenen Profil findet. Aber das…. ist eine andere Geschichte.


12 Responses to “Selbstzweifel…”


  1. 1 schmasi 25. April 2009 um 23:58

    Die Gründe _dafür_ haben eindeutig mehr Gewicht!
    Bloß nicht aufgeben, ich drück auch fleissig die Daumen damit sich was ändert.

  2. 2 krankeschwester 26. April 2009 um 00:03

    Danke. Ich denke lange kann es so nicht weitergehen. Aber nunja. Wir werden sehen. Ich hab ja noch so ein paar Jährchen in dem Job vor mir. Ich werd’s wohl oder übel erleben…

  3. 3 schmasi 26. April 2009 um 00:06

    Und wenn doch nicht, wird dir auf der Arbeit wenigstens schnell geholfen. Das können bestimmt nicht viele von sich sagen.😉

  4. 4 krankeschwester 26. April 2009 um 00:11

    Irgendeinen Vorteil muss das ganze doch haben🙂

  5. 5 medizynicus 26. April 2009 um 11:25

    Eisen und Föhnen ist out? Was meinst Du denn damit???
    Ansonsten:
    ich denke mal, eines von den Problemen in Eurem Beruf ist die fehlende Weiterbildungs- Und Weiterentwicklungsperspektive.
    Vor fünfzig Jahren war das noch einfach: Frau wird Krankenschwester, angelt sich einen Doc und wird dann für den Rest seines Lebens Hausfrau und Mutter.
    Und wer keinen Abbekommen hat, bleibt in dem Job und wird alte Jungfer und Stationsdrachen.
    Aber heute die Jungen Leute…….

  6. 6 krankeschwester 26. April 2009 um 11:39

    Du kennst Eisen und Fönen ned? Eisen und Fönen wurde früher zur Dekuitusprophylaxe benutzt. Die gefährdete Hautstelle würde erst mit Eis gekühlt und dann geföhnt. Sollte die Durchblutung anregen .

    „Und wer keinen Abbekommen hat, bleibt in dem Job und wird alte Jungfer und Stationsdrachen.“
    Ähm ich muss weg…..Anzeige im Ärzteblatt aufgeben …….

  7. 7 krankeschwester 26. April 2009 um 12:01

    So… Anzeige aufgegeben „Junge, blonde Kranken Schwester sucht Arzt (Fachgebiet egal) zum heiraten, Kinder bekommen und Hausfrau und Mutter werden.

    Wenn’s damit nicht klappt weiß ich’s auch nicht. *lach*

    Aber mal ernsthaft. Ich denke das Problem ist das viele Pflegende einfach nicht wissen was der Job für sie überhaupt darstellt. Bin ich jetzt eine Pflegekraft die tatsächlich hauptsächlich Pflegt, Pflege plant und dokumentiert und auswertet, bin ich besserbezahlte Stationssekretärin zum abheften, ans Telefon gehen und Bestellungen schreiben , oder bin ich medizinisch geschultes Personal das dem Arzt assistiert, teilweise ärztliche Tätigkeiten übernimmt ( Blutabnahme, Kanülen legen,….)?
    Ich weiß manchmal selbst nicht was ich bin und was ich besser fänd.
    Aber meiner Meinung nach benötigt die Pflege dringend ein „Selbstbild“. Und ich denke, dass das nicht nur aus mit dem Waschlappen feudeln, Popo abputzen und Kaffeeverteilen bestehen sollte.

  8. 8 medizynicus 26. April 2009 um 12:37

    solche Anzeigen gibts übrigens wirklich!!! und gar nicht mal soo viel anders formuliert.
    Nee, mal im Ernst.
    So wie es in unserer Branchei Assistenzärzte, Chefs und Professoren gibt, so gibt es ja auch bei Euch Stationshilfen, Pflegehelferinnen, examinierte Schwestern/Pfleger und dann Intensiv/Ambulanz/OP und anderes Spezialpersonal. Und wenn man dann irgendwann noch Pflegewissenschaft studiert hat, landet man auf irgendeinem Managementposten und tut wiieder überwiegend Papiere sortieren…
    Wieder was anderes sind die – in Deutschland noch eher nur gelegentlich angedachten, in anderen Ländern schon real vorhandenen – Weiterbildungen von Pflegepersonal zu Schmalspur-Ärzten. Schmalspur übrigens nicht weil sie schlechter sind,sondern weil sie schlechter bezahlt werden….

    • 9 krankeschwester 26. April 2009 um 13:06

      Ja was Fort-und Weiterbildungen angeht ist das hier wirklich ein Trauerspiel. Ich hab mal vor einiger Zeit nen Artikel gelesen über speziell geschultes OP-Pflegepersonal das dann z.b. vor einer Bypass-OP die Gefäße am Bein für die Bypässe entnimmt sodass der Herzchirurg sich „nur noch“ um die Arbeit am Herzen direkt kümmern muss.

      Und was die Pflegehelferinnen angeht , soweit ich weiß wird ,zumindest in meinem feinen Bundesland, die Ausbildung zur KPH nicht mehr angeboten. (Sollte es da andere Infos geben bitte Korrigiert mich).

      Und ich persönlich habe ein Problem damit wie man auf einer normalen Station die Arbeit verteilen sollte. Der Trend geht ja immer mehr zu Hilfskräften für z.b. Essen verteilen und Anreichen, Bestellungen schreiben und auspacken…. wo ich nur das Problem sehe, gerade wenn man Dinge wie essen anreichen und Körperpflege in andere Hände gibt fehlt mir als Pflegender ein großer Teil der Krankenbeobachtung. Es ist und bleibt eine schwierige Angelegenheit.

      ps: Aber sag mir jetzt bitte nicht das durch jene erwähnten Anzeigen im Ärzteblatt glückliche Ehen entstehen !!!

  9. 10 medizynicus 26. April 2009 um 16:28

    Ja, es ist interessant, dass diese banalen Tätigkeiten oft wichtiger sind als man denkt.
    Was bei euch das Essen reichen ist, ist bei uns z.B. die Anamnese.
    Gerade bei den internistischen, oft dementen Patienten kriegen wir ja über Angehörige und alte Akte mehr Infos als aus dem Gespräch mit dem Patienten.
    Aber für das Vertrauensverhältnis usw. ist Letzteres unverzichtbar!

    Glückliche Ehen? Ärzte?? Wo denkst Du hin???

    • 11 krankeschwester 26. April 2009 um 16:33

      Na ich dachte immer wenn man sich nie sieht kann die Ehe nicht schief gehen. Ist das nicht der Grund warum soviele Ärzte + Ärztinnen heiraten ? *g*


  1. 1 Nostalgie « Kranke Schwester Trackback zu 5. Mai 2011 um 21:48

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