Archiv für 31. Mai 2009

Die Kranke Schwester steht auf V

Arztserien. Ja ich oute mich. Ich besitze DVD’s mit allen Staffeln von Scrubs und Dr. House. Gestern habe ich die erste Grey’s Anatomy Staffel gekauft. Und wenn ich die alle habe ist endlich Emergency Room dran. Aber ich befürchte DAS wird richtig teuer. *seufz*

Es tut mir leid ihnen das sagen zu müssen, aber

Ich habe euch schon vom ersten Todesfall erzählt den ich erlebt habe. Darauf folgten viele viele weitere. Es gab Tage an denen mehrere Patienten starben. Es gab harte Wochen in denen Tag  für Tag ein Patient oder mehrere starben. Der Tod war ständig allgegenwärtig. Ich habe viele Patienten beim sterben begleitet. Ich habe ihnen die Hand gehalte. Medikamente gegen Schmerzen gegeben. Sie gelagert. Gewaschen. Gepflegt. Man gewöhnt sich irgendwann daran. Auch wenn das hart klingt. Aber wenn der Tod ständig mit im Raum steht erkennt man irgendwann das er zum Leben dazugehört. Menschen werden geboren, Menschen werden krank, Menschen sterben. Das ist nichts besonderes. Vorallem wenn man täglich damit konfrontiert ist.

Ich habe manchmal bedenken das ich diesbezüglich abstumpfe. Ich sehe oft Angehörige die gerade erst erfahren haben das ihr Familienmitglied gestorben ist. Diese Nachricht zu übermitteln ist Aufgabe des Arztes. Doch es kommt vor das ein Patient im Nachtdienst verstirbt wenn nur ein diensthabender Arzt im Haus ist. So passiert in einem meiner unzähligen Nachtdienste. Der Patient war schwer krank. Multimorbid. Präfinal. Die Angehörigen wussten bescheid das es jederzeit vorbei sein kann. Die Kolleginnen von der Spätschicht hatten der Ehefrau gesagt sie könne jederzeit anrufen und nachfragen wie es ihrem Mann geht.

Die Nacht über war der Patient “schlecht stabil” wie es so schön heißt. Als ich jedoch morgens gegen 5 ins Zimmer kam atmete er nicht mehr. Ich prüfte ob noch Lebenszeichen da waren. Keine. Also rief ich in der ZNA an und sagte dem diensthabenden Arzt bescheid. In einem solchen Fall muss er auf die Station kommen, den Tod  feststellen, die Todesbescheinigung ausfüllen und die Angehörigen informieren.  Der Arzt war gerade mit einem Notfall beschäftigt und würde direkt danach hoch kommen. Soweit so gut. 30 Minuten später klingelt mein Telefon. Ein Anruf von ausserhalb. Die Ehefrau des Patienten. Sie wollte wissen wie ihr Mann die Nacht überstanden hat.

Strenggenommen hätte ich ihr nicht sagen dürfen was ich ihr sagte. Aufgabe des Arztes. Aber was hätte ich ihr sagen sollen ausser : ” Es tut mir Leid ihnen das sagen zu müssen, aber ihr Mann ist vor einigen Minuten verstorben. Mein Beileid.”


Blog Stats

  • 87,736 hits

Was sie schon immer über die Kranke Schwester wissen wollten, aber nie zu fragen wagten.

Twitter

 

Mai 2009
M D M D F S S
« Apr   Jun »
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031

Archiv

Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Join 263 other followers


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 263 other followers